Jujutsu

Jujutsu - Die Sanfte Kunst der Selbstverteidigung

Jujutsu, auch als Jiu-Jitsu bekannt, ist eine alte japanische Kampfkunst, deren Name „sanfte Kunstfertigkeit“ oder „Kunst der Nachgiebigkeit“ bedeutet. Die erste Silbe „Ju“ oder „Jiu“ stehen für „weich, sanft, nachgeben, ausweichen“, während „Jutsu“ oder „Jitsu“ „Technik“ oder „Kunst“ bedeutet. Diese Bezeichnungen spiegeln das Kernprinzip wider: Nicht Kraft gegen Kraft einzusetzen, sondern die Energie des Angreifers geschickt umzulenken und gegen ihn selbst zu richten.

Ursprung und Geschichte des Jujutsu

Historie

Die Ursprünge des Jujutsu reichen weit zurück in die Feudalzeit Japans. Es entstand als waffenlose Kampfkunst, die hauptsächlich von den Samurai, der adeligen Kriegerklasse, praktiziert wurde. In einer Zeit, in der Schwerter, Speere und Schwertlanzen die primären Waffen waren, ermöglichte Jujutsu den Samurai, auch nach Verlust ihrer Hauptwaffen kampf- und verteidigungsfähig zu bleiben. Doch auch Nicht-Adlige erlernten diese effektiven Techniken.

Eine der bekanntesten Entstehungsmythen des Jujutsu ist die Geschichte des Arztes Akiyama Shirobei Yoshitoki. Während einer Studienreise in China soll er verschiedene Nahkampftechniken in Klöstern erlernt haben. Er stellte jedoch fest, dass diese Techniken oft große körperliche Stärke erforderten. Zurück in Japan beobachtete er an einem stürmischen Herbstabend, wie starke Eichen unter der Last des Windes zerbrachen, während die flexiblen Weiden dem Sturm nachgaben, sich bogen und unversehrt blieben. Inspiriert von dieser Beobachtung gründete er die erste Jujutsu-Schule, die er Yoshin-ryu (Weidenschule) nannte. Dieses Prinzip des "Nachgebens, um zu siegen" wurde zum Herzstück des Jujutsu.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich zahlreiche Ryū (Schulen oder Stile) des Jujutsu, jede mit ihren eigenen Schwerpunkten und Techniken. Viele dieser Schulen blieben über Generationen hinweg geheim und wurden nur innerhalb bestimmter Familien oder Clans weitergegeben. Sie umfassten eine breite Palette an Fertigkeiten, von Würfen und Hebeln bis hin zu Schlag- und Tritttechniken sowie dem Umgang mit improvisierten Waffen.

Mit dem Ende der Samurai-Ära und der Meiji-Restauration im 19. Jahrhundert gerieten viele der alten Jujutsu-Schulen in Vergessenheit. Doch einige Meister bewahrten ihr Wissen und gaben es weiter. Aus dem Jujutsu entwickelten sich später modernere Kampfkünste wie Judo (gegründet von Jigoro Kano, der Techniken aus verschiedenen Jujutsu-Stilen systematisierte) und Aikido (das ebenfalls starke Wurzeln im Jujutsu hat und auf das Prinzip der Harmonie und des Nachgebens setzt). Auch im Karate und anderen asiatischen Kampfkünsten finden sich Einflüsse des Jujutsu.

Jujutsu Heute:
Efektive Selbstverteidigung

Heutiges Jujutsu ist eine realitätsnahe Selbstverteidigungskunst, die darauf abzielt, einen Angreifer – bewaffnet oder unbewaffnet – schnell und effektiv unter Kontrolle zu bringen.

Das Grundprinzip „Nachgeben, um zu siegen“ bedeutet, die Kraft und Bewegung des Angreifers geschickt zu nutzen. Es geht nicht darum, Kraft gegen Kraft zu setzen, sondern die Energie des Angreifers gegen ihn selbst zu richten. Dies macht Jujutsu zu einem effektiven Selbstverteidigungssystem für jedermann, unabhängig von körperlicher Stärke, und kann daher auch hervorragend als Selbstverteidigungssystem für Frauen eingesetzt werden.

Die angewandte technische Kunstfertigkeit (Jutsu/Jitsu) wird nur so weit eingesetzt, wie es notwendig ist, um den Angreifer zu kontrollieren. Diese Kontrolle kann im Schocken, Festhalten oder Abtransport des Angreifers bestehen, stets unter Berücksichtigung des nationalen Notwehrrechts.

Die Stilrichtung der INTERNATIONAL KOBUDO FEDERATION (IKF) in der Disziplin Jujutsu basiert auf dem Jujutsu der Yoshin-ryu, wodurch die historischen Prinzipien und Techniken dieser ehrwürdigen Schule weiterleben.

Jujutsu gilt als eine der ältesten, effektivsten und „ehrwürdigsten“ alten japanischen Kampfkünste. Sein Wesen lässt sich im Grundsatz zusammenfassen: „Wendigkeit kontrolliert Kraft“ (JU YOKU GO O SEISU). Dies beinhaltet die Verpflichtung, auf einen Angriff notwehrgerecht zu reagieren und den Angreifer angemessen zu kontrollieren.